Zusammen mit meiner Schwester machte ich mich im März 2012 auf den Weg nach Gambia, dem kleinsten Land des afrikanischen Festlandes. Meine Schwester hatte einmal ein halbes Jahr dort gelebt und war dementsprechend mit der Kultur und den Gegebenheiten vor Ort vertraut. Deshalb hatte ich mich kaum mit dem mir unbekannten Land beschäftigt. Was mich bei meinem ersten Mal in Afrika erwartete und was ich im Nachhinein anders machen würde, erfährst du hier.

In Serekunda am Strand

Ich wusste, dass ich das kleinste Land des afrikanischen Festlandes bereisen werde. Die Einwohner sprechen mehrere Sprachen. Ansonsten wird es auch ein einfacher Urlaub, ohne groß Luxus. Das war meine Vorbereitung für mein erstes Mal in Afrika. Okay, vor der Reise stand noch ein Besuch beim Tropenmediziner an und die Beantragung eines Reisepasses.

Aber was wusste ich wirklich über Gambia? Über die Geschichte des Landes? Über die Menschen? Die Kultur? Eigentlich gar nichts. Ich hatte mich nicht einmal mit der Reiseplanung beschäftigt, sondern meine Schwester hatte sich größtenteils überlegt, was wir uns in Gambia anschauen könnten und wie wir dorthin kommen.

Mittlerweile weiß ich, dass für mich die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Reiselandes ein wichtiger Bestandteil der Reiseplanung ist. Gerade bei meiner letzten Afrikareise habe ich das wieder gemerkt. Vor meiner Reise nach Tansania hatte ich mich intensiv mit der Geschichte des Landes, den Stämmen und Traditionen beschäftigt. Malawi ist dagegen ziemlich untergegangen. Bis zum Schluss fehlten mir die Hintergründe. Für manche mag das nicht wichtig sein. Für mich schon.

Ich will nicht nur eine Checkliste abhaken und eine Sightseeing-Aktivität nach der anderen besuchen. Ich möchte Kontakt zu den Einheimischen haben. Für ein besseres Verständnis ist es meiner Meinung nach notwendig, sich mit der Geschichte und den Kulturen des Reiselandes zu beschäftigen.

Gambia National Museum

Das erste Mal in Afrika – Kulturschock vorprogrammiert?

Genauso wenig wie ich mich mit der Geschichte des Landes beschäftigt hatte, genauso wenig war ich auf die Kultur vorbereitet. Ich weiß, ich weiß, wie kann man nur… Ich war eben jung und naiv. Und ganz ehrlich, ich denke, dass es vielen Reisenden so geht. Manches stellt man sich doch einfacher vor. Ein riesen Fauxpas werde ich wohl nie vergessen und möchte dir davon erzählen – lerne aus meinen Fehlern!

Meine Schwester hatte mir im Vorfeld eingeschärft, dass meine Knie immer bedeckt sein müssen. Also nichts mit kurzen Hosen und Röcken. Wir waren sogar extra im Vorfeld lange Röcke kaufen! Als ich meine Wäsche wusch, hatte ich aus praktischen Gründen meine Schlafhose an. Die Wäsche hängte ich vor dem Haus auf und vergaß, dass ich noch meine kurze Hose anhatte – sehr zum Entsetzen der Dorfbewohner! Ich sage dir, ich durfte mir danach eine Standpauke anhören!

Eine anständige Frau hält nämlich ihre Knie stets bedeckt. Ansonsten sei sie leicht zu haben – nett ausgedrückt. Als Besucherin einer Missionsstation habe ich somit nicht nur meinen eigenen Ruf auf´s Spiel gesetzt, sondern auch den der Missionsstation. Das war wirklich eine sehr unangenehme Situation.

In den großen Städten gelten wiederum andere Regeln. Die Frauen können dort ohne Probleme Hosen oder gar kurze Kleider anziehen. Als Reisender solltest du schon alleine aus Respekt vor der einheimischen Bevölkerung deinen Kleidungsstil an die Gegebenheiten vor Ort anpassen.

Wäsche waschen in Gambia

Sei offen und gönn dir Pausen

Die Einheimischen freuen sich, wenn sie „Tubabs“ (Weiße) sehen. Alle paar Meter wurden wir angesprochen. Auf die Begrüßungsformel in Mandinka (eine der über 20 Sprachen) folgten gefühlt tausend Fragen. Woher wir kommen. Was wir in Gambia machen. Wie viele Sprachen wir sprechen. Ob wir verheiratet sind. Wie viele Männer wir haben. Ob wir bereits einen gambianischen Mann haben…

Selbst die Kinder rannten von weitem an und liefen einem „Tubab“ schreiend hinterher. Gerade die Bevölkerung auf dem Land bekommt Tubabs nicht so oft zu Gesicht, für die Kinder war es häufig das erste Mal überhaupt. Nachdem ich mir Cornrows flechten lies, meinte gefühlt jeder zweite Mann, mich mit „Hey, Raster-Baby“ ansprechen zu müssen. Das war zwar nett gemeint, aber irgendwann auch etwas nervig.

Die Menschen in Gambia waren freundlich, offen, hilfsbereit. Aber für mich waren die ganzen Eindrücke einfach zu viel. Mein erstes Mal in Afrika war kein All-Inclusive Urlaub mit Pool und Meerblick. Als Introvertierte brauche ich generell viel Zeit für mich. Ich empfinde es schon in Deutschland als anstrengend, wenn ununterbrochen Leute auf mich einreden. In einem fremden Land, mit Sprachen, die ich nicht verstehe und einer unglaublichen Hitze, fällt mir das sicherlich nicht leichter.

Als wir in der Stadt waren, hatten wir eine kleine Wohnung für uns. Hier konnte ich zur Ruhe kommen, die Eindrücke verarbeiten und meine eigenen Denkmuster hinterfragen. So konnte ich dann voller Energie in die nächsten Abenteuer starten und neue Bekannschaften knüpfen.

Irgendwann möchte ich wieder nach Gambia, der lächelnden Küste Afrikas. Wie wird es mir bei einem zweiten Besuch gehen? Werde ich mich in manchen Situationen anders verhalten? Einige Jahre und Afrikaaufenthalte später hoffe ich doch, dass ich was dazu gelernt habe.

Gastfreundschaft in Gambia

Gambia – Das perfekte Land für dein erstes Mal in Afrika?

Auch wenn Gambia visumstechnisch sehr angenehm ist (Visa on Arrival) und du mit Englisch super klar kommst, so würde ich es nicht als typisches Einsteigerland bezeichnen. Andere Reiseziele in Afrika erfreuen sich größerer Beliebtheit, z.B. Ägypten, Tunesien, Marokko, aber auch Kenia und Südafrika. Von den genannten Ländern war ich bisher nur in Südafrika.

Ich hatte drei Monate ein Praktikum in Kapstadt gemacht und war in der Zeit auch durch Südafrika gereist. Mein erster Eindruck von Kapstadt? Es ist wie in Europa! Auch das Reisen ist super einfach, egal ob mit einem Mietwagen oder dem Bus. In Südafrika treffen Welten aufeinander. Wenn du möchtest, kannst du dich für diese Erfahrung öffnen. Du kannst aber auch in deiner Touri-Welt bleiben und vergessen, dass du dich in Afrika befindest. Für mich ist Südafrika das perfekte Afrika-Einsteigerland, wenn du einen sanften Einstieg möchtest.

Egal ob mit oder ohne Afrika-Erfahrung, sei offen und freundlich. Dann wirst du sicherlich eine tolle Zeit in Gambia haben! Aber mach dich darauf gefasst, dass die Uhren in Afrika anders ticken…

Unterwegs in Afrika

Meine Tipps für dein erstes Mal in Afrika

  • Informiere dich über Land & Leute
  • Respektiere die Kulturen & Traditionen
  • Sei offen
  • Gönn dir Pausen
  • Wähle dein erstes Reiseland in Afrika mit Bedacht
Monkey Park in Gambia, Westafrika

Welche Erfahrungen hast du bei deiner ersten Reise nach Afrika gemacht?
Wo warst du?
Was würdest du im Nachhinein anders machen?

Reisezeitraum: März 2012

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